• Der broncolor P70: ein präziser Reflektor und die Waben, die sein Licht formen

Der broncolor P70: ein präziser Reflektor und die Waben, die sein Licht formen

Kaum ein Lichtformer ist so vielseitig wie der P70 Normal-Reflektor. Pur eingesetzt liefert er knackiges, kraftvolles Licht, das Formen modelliert und klare, harte Schatten zeichnet. Mit einer Wabe, Abschirmklappen oder einem Farbfilter wird derselbe Reflektor zum Spot, zum Lichtstreifen oder zur Farbfläche.

Im Folgenden zeigen wir, wie Reflektor und Zubehör das Licht kontrollieren. Danach zeigt broncolor Ambassador Tomas Brazzi, wie er das System bei fünf kreativen Shootings in den Brazzi Studios in Vilnius eingesetzt hat.

Warum der P70 ein echtes Arbeitstier im Studio ist

  • Effizienz. Sein parabolisches Profil lenkt das Licht nach vorne, statt es seitlich zu verlieren. Joule ist nicht gleich Joule – der richtige Reflektor bringt mehr von Ihrer Blitzleistung auf das Motiv.
  • Gleichmäßige Ausleuchtung. Die fein strukturierte Innenfläche verteilt das Licht gleichmäßig über den gesamten Abstrahlwinkel von 70°. Mit einer fokussierbaren Lampe wie der Pulso G lässt sich zusätzlich eine kontrollierte Mittenbetonung erzielen.
  • Modulare Front. Waben, Abschirmklappen, Opaldiffusoren und Farbfilter werden direkt angesetzt – so wird ein einziger Reflektor zum kompletten Licht-Werkzeugkasten.

Der Charakter von hartem Licht. Im Vergleich zu einer Softbox ist der P70 eine kleine Lichtquelle. Das bedeutet klare Schattenkanten, starken Kontrast und sichtbare Texturen – ideal für grafische Modebilder und für Schatten, die Teil der Bildkomposition werden.

Wie Waben das Licht formen

Eine Wabe bündelt den Lichtstrahl. Sie lässt nur das Licht durch, das nahezu geradeaus fällt, und blockiert die Strahlen, die sich seitlich ausbreiten würden. Das Ergebnis: ein kleinerer, klar definierter Lichtkegel mit dunklerer Umgebung.

Zwei Faustregeln helfen bei der Wahl der passenden Wabe:

  • Feinere Wabe, kleinerer Lichtfleck. Je enger die Zellen, desto kleiner die ausgeleuchtete Fläche und desto schneller fällt das Licht zum Rand hin ab.
  • Mehr Wabe, mehr Kontrast. Weniger Licht erreicht Wände und Decke, also wird auch weniger als Aufhellung zurückgeworfen. Die Schatten werden tiefer, das Bild dramatischer.
Das P70-System: Lichtcharakteristik des Strip Grid 5:1 und der Waben
Die Lichtcharakteristik der P70-Waben – vom langen Lichtstreifen des Strip Grid 5:1 bis zum kleinen Spot der extra-engen Wabe.

Waben sind auch dann nützlich, wenn das Licht nicht alles treffen soll. So lässt sich ein Gesicht ausleuchten, ohne den Hintergrund aufzuhellen, oder Licht vom Objektiv fernhalten, um Flares zu vermeiden.

Standard-Waben erzeugen einen runden, zur Mitte hin betonten Lichtfleck. Das Strip Grid 5:1 funktioniert anders: Es erzeugt eine rechteckige Lichtfläche, die fünfmal so lang wie breit ist.

Das P70-Zubehör im Überblick

Jedes Zubehörteil verändert eine Eigenschaft: die Ausbreitung, die Form oder die Farbe des Lichts.

  • Wabenvorsätze zu P70 (33.207.00, 3er-Set: grob, mittel, fein) – verkleinern den Abstrahlwinkel in drei Stufen. Ideal, um genau zu bestimmen, wie weit sich ein Porträtlicht oder ein Akzent ausbreitet.
  • Wabenraster extra-eng zu P70 (33.202.00) – verkleinert den Winkel nochmals deutlich. Für spotartiges Licht auf ein Gesicht, ein Produkt oder ein kleines Detail.
  • Strip Grid 5:1 zu P70 Reflektor (33.195.00) – rechteckiges Licht im Verhältnis 5:1, hitzebeständig. Für Lichtstreifen auf dem Hintergrund, Ganzkörperaufnahmen und lange Produkte.
  • Abschirmklappe zu P70 (33.227.00, 2 Flügel) – begrenzt das Licht auf zwei Seiten; 4 Clips halten Diffusoren, Filter und Masken. Um Licht vom Hintergrund fernzuhalten oder Farbfilter zu befestigen.
  • Abschirmklappe mit 4 Flügeln zu P70 (33.247.00) – begrenzt das Licht auf allen vier Seiten. Für präzises Abschatten in engen Setups.
  • Farbfilter zu P70 (33.307.00, 12er-Set) – färben das Licht. Für farbige Hintergründe, Akzente und Stimmungen.
  • Opaldiffusoren zu P70 (33.327.00, 12er-Set) – machen das Licht etwas weicher und gleichmäßiger. Um dem harten Licht die Spitze zu nehmen.

Tipp: Beginnen Sie mit der groben Wabe und arbeiten Sie sich zu feineren vor, bis das Licht nur noch das abdeckt, was es soll.

Erfahrungsbericht

P70 brazzi testimonial barn doors
Tomas Brazzi – Porträt- und Modefotograf, Gründer der Brazzi Academy und der Brazzi Studios

Ich setze das broncolor P70-System sowohl für kommerzielle als auch für kreative Fotografie ein. Es eignet sich gut für klare, klassische Porträts – besonders gerne nutze ich es aber, um etwas Dramatischeres zu schaffen: mit kräftigen Schatten, Farbe und kleinen Lichtflächen.

Fünf kreative Shootings mit dem P70-System

Über sechs Monate hat Tomas das P70-System bei verschiedenen Projekten in den Brazzi Studios eingesetzt. Alle Shootings entstanden mit Siros 800 S Blitzgeräten. Nur das Zubehör wechselte – je nachdem, ob er Licht auf der ganzen Szene, nur auf dem Gesicht oder auf einem kleinen Teil des Hintergrunds wollte.

Shooting 1 – Robertas: zwei Lichter, zwei Schatten

Robertas mit zwei Schatten an einer weißen Wand, daneben das Setup mit zwei P70
Licht-Setup: Lichter: 2 × P70 Normal-Reflektor, je einer links und rechts vom Motiv · Hintergrund: weiße Wand, Motiv nah davor. Links: finales Bild, rechts: das Setup im Studio. Foto: Tomas Brazzi

Für Schauspieler Robertas Lenartavicius wollte Tomas zwei getrennte Schatten auf einer weißen Wand. Er stellte Robertas nah an die Wand und beleuchtete ihn mit zwei P70 Reflektoren von gegenüberliegenden Seiten. Jedes Licht warf seinen eigenen Schatten.

Die Schatten gaben dem schlichten weißen Hintergrund Tiefe. Wenn Robertas sich drehte oder bewegte, veränderten sich die Schatten mit. Neue Bilder entstanden allein durch seine Position – ohne die Lichter zu verschieben.

Fazit: Hartes Licht macht Schatten zum Gestaltungselement. Je näher das Motiv an der Wand steht, desto schärfer und dunkler der Schatten.

Schauspieler: @robertas_lenartavicius

Shooting 2 – Greta: einfaches, direktes Modelicht

Greta vor einer Holzwand, beleuchtet von einem P70, daneben das Setup
Licht-Setup: Licht: 1 × P70 Normal-Reflektor, direkt auf das Motiv gerichtet · Hintergrund: Holzwand. Links: finales Bild, rechts: das Setup im Studio. Foto: Tomas Brazzi

Mit Stylistin Greta Zvinklyte setzte Tomas einen einzelnen, puren P70 ein – für helles, hartes Licht mit klassischem Fashion-Look. Es betonte die Textur der Kleidung und zeichnete einen klaren Schatten auf die Holzwand. Das Team begann mit statischen Posen und brachte dann Bewegung ins Bild.

Fazit: Oft reicht ein einziger, purer P70. Weil das Licht einfach und berechenbar ist, funktioniert dasselbe Setup für statische Posen ebenso wie für Bewegung.

Greta: @gretazvinklyte · Modedesign: @suellaq · Make-up: @faces_by_ieva · Haare: @militadilyte

Shooting 3 – Lidija: das Licht genau dort, wo es hingehört

Lidija mit einem Lichtstreifen auf dem Hintergrund, daneben das Setup
Licht-Setup: Hauptlicht: P70 mit Abschirmklappen · Hintergrund: P70 mit Strip Grid 5:1. Links: finales Bild, rechts: das Setup im Studio. Foto: Tomas Brazzi

Beim Shooting mit Model Lidija hielten die Abschirmklappen das Hauptlicht auf ihr und von der Hohlkehle fern, sodass der Hintergrund dunkler blieb. Ein zweiter P70 mit Strip Grid 5:1 legte einen langen, schmalen Lichtstreifen über den Hintergrund. Das schuf Tiefe, ohne dem Set etwas hinzuzufügen.

«Bei hartem Licht ist die Position des Gesichts sehr wichtig. Schon eine kleine Drehung verändert die Schatten um Augen, Nase und Mund.» Tomas behielt diese Bereiche genau im Blick und führte ihre Bewegungen.

Fazit: Mit Abschirmklappen trennen Sie Motiv und Hintergrund, mit einem Strip Grid setzen Sie eine grafische Lichtform dahinter.

Model: @lidijasimo · Agentur: @modilinos · Kleid: @fotoutfit_partydress

Shooting 4 – Pijus: Stimmung mit Farbe verändern

Pijus vor blauem Hintergrund, daneben das Setup mit rotem Licht
Licht-Setup: Hauptlicht: broncolor Softbox 30 × 180 cm mit Wabe · Farbe: P70 mit Abschirmklappen und broncolor Farbfiltern, gegen die Decke gerichtet. Links: finales Bild, rechts: das Setup im Studio. Foto: Tomas Brazzi

Für Tänzer Pijus Gulbinas schuf Tomas mit nur zwei Lichtern vier Farbversionen. Die Striplight-Softbox stand seitlich und leicht vor ihm und beleuchtete eine Seite von Gesicht und Körper, während die andere im Schatten blieb. Ihre Wabe verhinderte, dass sich das Licht über die ganze Szene ausbreitete.

Der P70 hielt Farbfilter in den Clips seiner Abschirmklappen und war auf die Decke gerichtet. Das farbige Licht wurde zurückgeworfen und füllte Szene und Hintergrund. Ein Filterwechsel ergab eine neue Hintergrundfarbe, ohne den Hintergrund selbst zu verändern.

Fazit: Ein P70 mit Farbfilter, gegen die Decke gerichtet, wird zur weichen, farbigen Aufhellung für den ganzen Raum.

Tänzer: @pijusgulbinas

Shooting 5 – Simona: kleine Details ins Licht setzen

Simona in einem schmalen Lichtspot mit blauen Akzenten, daneben das Setup
Licht-Setup: Hauptlicht: P70 mit extra-engem Wabenraster · Farbe: P70 mit Abschirmklappen und blauem Filter · Akzente: 2 × Snoot. Links: finales Bild, rechts: das Setup im Studio. Foto: Tomas Brazzi

Für Creatorin Simona Jasineviciene baute Tomas das Setup Licht für Licht auf. Das extra-enge Wabenraster hielt das Hauptlicht vor allem auf ihrem Gesicht. Ein zweiter P70 mit Abschirmklappen und blauem Filter brachte Farbe ins Bild. Ein Snoot beleuchtete einen kleinen Bereich des Hintergrunds für mehr Tiefe, der andere betonte Details an Kleid, Arm und Tattoos.

Fazit: Bauen Sie ein komplexes Setup Licht für Licht auf. Prüfen Sie jedes Licht einzeln, bevor Sie das nächste hinzufügen.

Creatorin: @simona_jasineviciene · Make-up: @violeta.mak

Kleines Zubehör, große Wirkung

«Es sind kleine Zubehörteile, aber sie geben mir viele Möglichkeiten, ein Bild zu verändern. Ich kann mit denselben Blitzgeräten arbeiten und ganz unterschiedliche Ergebnisse erzielen, indem ich Richtung, Ausbreitung oder Farbe des Lichts verändere. Genau das schätze ich am P70-System: einfache Werkzeuge mit viel Raum zum Experimentieren.»

Mehr lernen mit der Brazzi Academy

Tomas Brazzi ist Porträt- und Modefotograf mit mehr als 20 Jahren Erfahrung. Er ist Gründer der Brazzi Studios und der Brazzi Academy in Vilnius, Litauen.

In der Brazzi Academy zeigt Tomas Fotografinnen und Fotografen, wie sie ihre Leidenschaft zum Beruf machen. Seine Programme, Workshops und Online-Inhalte behandeln kreatives Studiolicht, die Entwicklung einer eigenen Bildsprache und den Aufbau eines nachhaltigen Fotografie-Business. Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, finden Sie unter www.brazzi.academy weiterführende Kurse für professionelle Fotografie – und auf Instagram unter @brazziacademy.

Credits
Fotografie: @tomas_brazzi · Studio: @brazzistudios