Ein Aspekt, den ich an dieser Arbeit besonders liebe, ist die kontinuierliche Entwicklung von Ideen und das Lösen von Problemen. Oft entstehen die interessantesten Ergebnisse aus sehr einfachen Objekten, die auf eine leicht unerwartete Weise eingesetzt werden.

Für dieses Bild verwendete ich einen Stapel günstiger Einweg-Sektgläser aus Kunststoff. Ich entfernte die Standfüße, bohrte ein Loch durch die Mitte jedes einzelnen Glases und steckte sie anschließend auf einen Bohrer. So entstand eine mehrschichtige, rotierende Konstruktion, die die Flüssigkeit zunächst aufnehmen und dann freigeben konnte.
Die „Schokolade“ war keine echte Schokolade. Es handelte sich um braune Wasserfarbe für Kinder, die so angemischt wurde, dass sie die richtige Fließfähigkeit und den passenden Glanz erhielt. Sobald die Gläser gefüllt waren und der Bohrer anlief, schleuderte die plötzliche Rotation die Flüssigkeit nach außen und leicht nach oben. Durch den dabei entstehenden Schwung bildeten sich ganz natürlich diese wunderschönen Schichten, Bänder und Tropfen, wodurch der Eindruck entstand, als schwebe Schokolade frei in der Luft.

Die Beleuchtung ist bei dieser Art von Aufnahme entscheidend. Ich verwendete zwei Scoro Generatoren mit einer extrem kurzen Blitzdauer von etwa 1/10.000 Sekunde, denn der magische Moment dauert nur einen Augenblick. Es ist der Blitz, der die Bewegung der Flüssigkeit einfriert – nicht der Kameraverschluss.
Für die Beleuchtung selbst setzte ich eine relativ harte Lichtquelle ein. Bei Flüssigkeiten, insbesondere wenn sie wie Schokolade wirken sollen, ist ein harter Lichtreflex wichtig, da er der Oberfläche diesen satten, glänzenden Schimmer verleiht. Ich verwendete eine Striplight-Softbox, die seitlich positioniert war, und experimentierte anschließend damit, das Licht weiter zu kontrollieren und zu formen. Schon kleine Veränderungen – etwa das Abschatten einzelner Bereiche oder das Abkleben von Teilen der Lichtquelle – können völlig unterschiedliche Texturen und Reflexionen in der Flüssigkeit erzeugen.

Ein wesentlicher Bestandteil dieser Technik ist das Experimentieren. Die Drehzahl des Bohrers, die Konsistenz der Farbe, die Flüssigkeitsmenge in jeder Schicht und die Form der Kunststoffgläser beeinflussen das Endergebnis. Bereits kleine Anpassungen können vollkommen unterschiedliche Formen hervorbringen – von feinen Spritzern bis hin zu kräftigen, skulptural wirkenden Flüssigkeitsbändern.
Der wichtigste Aspekt einer Composing-Aufnahme wie dieser ist, dass sowohl die Kamera als auch die rotierende Konstruktion absolut unbeweglich bleiben. Zwischen den einzelnen Aufnahmen darf sich nichts verändern. Wenn alles exakt an seinem Platz bleibt, können mehrere Aufnahmen gemacht und anschließend die besten Elemente jeder einzelnen zu einem Bild kombiniert werden. Die Perspektive bleibt dabei identisch, sodass sich das finale Bild aus den gelungensten Flüssigkeitsformen, Tropfen und Lichtreflexen zusammensetzen lässt.

Der Aufbau ist im Grunde einfach, doch das endgültige Ergebnis entsteht durch Kontrolle, präzises Timing und wiederholtes Testen. Man verändert immer wieder die Flüssigkeit, die Drehzahl, das Licht und den Aufnahmewinkel, bis die Struktur der Spritzform nicht mehr zufällig, sondern bewusst gestaltet wirkt.
