• Morgenlicht simulieren: drei Setups und das eine, das Karl Taylor wählen würde

Morgenlicht simulieren: drei Setups und das eine, das Karl Taylor wählen würde

Wer schon einmal ein Frühstück für einen Kunden fotografiert hat, kennt das Problem: Man möchte dieses ruhige, goldene Licht der ersten Morgenstunden – braucht es aber um 15 Uhr, an einem grauen Tag und reproduzierbar für jedes weitere Set-up.

Deshalb hat Fotograf und Dozent Karl Taylor von Visual Education eine einzige Frühstücksszene aufgebaut – zwei Mandelcroissants, ein Espresso, ein Schälchen Konfitüre, ein Löffel und eine gefaltete Zeitung – und sie auf drei verschiedene Arten ausgeleuchtet. Kein einziges Requisit wird zwischen den Setups bewegt. Die einzige Variable ist das Licht.

Das Ergebnis ist eine anschauliche Lektion darüber, warum „weich“ und „natürlich“ nicht dasselbe sind. Und das Setup, das Karl tatsächlich verwenden würde? Es ist nicht das, zu dem die meisten von uns zuerst greifen würden.

Das Briefing: den Sonnenaufgang kontrollieren

Ziel war es, weiches Morgenlicht nachzubilden, das in einen Raum fällt – bei voller Kontrolle über die Szene. Bei Food setzt Karl immer auf Gegenlicht: Licht von hinten betont Texturen, Glanz und die Kanten von Glas. Jedes der folgenden Setups baut auf diesem Prinzip auf.

Setup 1: Reines weiches Licht – die Octabox 150 hinter dem Set

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Links: Octabox 150 von hinten, Spiegel-Aufhellung von vorne. Rechts: der Aufbau im Studio. Credit: Karl Taylor

 

Karl platziert eine Octabox 150 hinter der Szene, dazu eine weiche Aufhellung von oben, damit die Schatten nicht zulaufen. Zwei kleine Kniffe runden das Ganze ab:

  • Eine Fahne hinten. Im Gegenlicht wird der Tisch nach hinten hin heller. Eine kleine schwarze Fahne schattet diesen Bereich ab und dunkelt den hinteren Teil des Tisches ganz leicht ab.
  • Ein Spiegel vorne. Er lenkt Licht auf die Croissants. Da die Lichtquelle weich ist, bleibt auch die Aufhellung weich. Mit einem Kosmetikspiegel wird sie etwas härter, weil er das Licht bündelt.

Achten Sie auf die Reflexionen: Glas und Konfitüre zeigen jetzt ein breites Spitzlicht – ein Spiegelbild der Softbox. Für die frühmorgendliche Stimmung lässt sich die Farbtemperatur wärmer einstellen.

Karls Fazit: sauber und einfach, aber flach. „Es wirkt eher wie ein bewölkter Tag.“ Weiches Licht allein wirkt bedeckt, nicht wie ein Sonnenaufgang.

Setup 2: Hartes Licht dazumischen – Picolite mit Fresnel-Spotvorsatz

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Links: weiches Hauptlicht plus harter Picolite-Akzent. Rechts: das Picolite am Galgen vor der Octabox. Credit: Karl Taylor

 

Hier der Trick, den Karl allen empfiehlt, die vorwiegend mit Softboxen arbeiten: weiches Licht mit etwas hartem Licht mischen. Er ergänzt ein Picolite mit Fresnel-Spotvorsatz an einem Galgen vor der Octabox.

Das Picolite ist ein kleiner, runder Blitzkopf mit flacher Front – kompakt genug, um nah an ein Produkt heranzukommen. Der Fresnel bündelt einen Lichtstrahl, dessen Abstrahlwinkel sich per Zoom weiter oder enger einstellen lässt. So bestimmen Sie genau, wo das harte Licht landet.

Karl richtet es in dieselbe Richtung aus wie das weiche Hauptlicht und zielt nur auf die Croissants. Das Ziel: etwas Glanz auf dem Gebäck, knackigere Schatten und möglichst wenig Streulicht auf dem Tisch dahinter. Für die Aufhellung von vorne kommt wieder der Spiegel zum Einsatz.

Karls Fazit: Ein einziges kleines hartes Licht „bringt das Sonnenlicht-Gefühl zurück“ und wirkt natürlich. Formen projizieren kann es jedoch nicht – Fensterlinien und Schattenmuster sind damit nicht möglich.

Setup 3: Ein Licht statt zwei – der Para 88

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Links: ausgeleuchtet mit einem einzigen Para 88. Rechts: Karl stellt den Fokus des Para ein. Credit: Karl Taylor

 

Für den dritten Durchgang verwendet Karl einen Para 88 mit einem einzigen Lampenkopf. Wird der Kopf im Parabolreflektor vor- oder zurückgeschoben, verändert sich der Lichtstrahl: fokussiert für ein konzentriertes, härteres Licht, defokussiert für ein weicheres. Mit einem Frontdiffusor wird er zur runden Softbox.

„Paras sind fast wie mehrere Lichter in einem Lichtformer“, sagt Karl. Hier übernimmt ein einziger Para, wofür in Setup 2 zwei Lichter nötig waren: Die weiche Umhüllung und die harte Sonne kommen aus einer Quelle. Das Licht hat mehr Modellierung und dreidimensionale Struktur, als es die Softbox allein je bieten könnte.

Ein Praxistipp: Je stärker ein Para fokussiert wird, desto mehr Licht trifft auf das Motiv – die Leistung sinkt also, je enger der Strahl wird. Wo die Octabox eine Leistungsstufe von etwa 5 bis 6 benötigte, kam der Para 88 mit 2,7 aus. Ein Para holt aus jedem Joule mehr Lichtenergie heraus, sodass Sie bei Bedarf mit weniger Leistung arbeiten können.

Karls Fazit: eine realistische Tageslichtmischung aus weich und hart – mit einem Licht statt zwei.

Karls Wahl: Sonnenlicht durchs Fenster

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Das Setup, das Karl wählen würde: Ein Projektionsspot erzeugt Sonnenlicht, das durch ein Fenster fällt. Credit: Karl Taylor

 

Nach drei guten Optionen fällt Karls eigene Wahl auf eine vierte: einen Projektionsspot. Würde er diese Aufnahme von Grund auf neu umsetzen, würde er den Pulso Spot 4 verwenden.

Ein Projektionsspot kann, was keine Softbox, kein Fresnel und kein Para kann: Er wirft ein scharfes, geformtes Muster. Mit einem Fenster-Gobo fallen die Sprossen und Scheiben eines Fensterrahmens über den Tisch – in jeder gewünschten Farbtemperatur. Achten Sie auf die diagonalen Fensterschatten: Sie lassen das Gehirn „Morgen“ denken, noch bevor es den Kaffee wahrnimmt.

„Diese Simulation von Sonnenlicht, das durch ein Fenster fällt, verleiht dem Bild einfach mehr Realismus“, sagt Karl.

Anmerkung der Redaktion: Der Pulso Spot 4 ist nicht mehr Teil des broncolor Sortiments. Heute übernimmt der Projektionsvorsatz diese Aufgabe: Er wird auf einen Pulso G oder Unilite montiert und projiziert feine Linien, grafische Muster, Gobos und Dias. Bei kleineren Sets erledigt das der Projektionsvorsatz zu Picolite im kompakten Format – mit einer Kante, die sich scharf fokussieren oder weich auslaufen lässt.

Die drei Setups im Überblick

  • Octabox 150 von hinten, Fahne + Spiegel: weich, gleichmäßig, etwas flach – ein bewölkter Look.
  • Octabox 150 + Picolite mit Fresnel: weiche Umhüllung mit hartem Akzent – bringt „Sonne“ in ein Softbox-Setup.
  • Para 88, ein Lampenkopf: modellierte Mischung aus weich und hart – natürliche Sonne aus einer einzigen Lichtquelle.
  • Projektionsspot mit Fenster-Gobo: hartes Fensterlicht und Schattenmuster – maximaler Realismus.

Das nehmen Sie mit in Ihr nächstes Food-Shooting

  • Zuerst Gegenlicht. Licht von hinten betont Textur, Glanz und die Kanten von Glas.
  • Nur weich wirkt bewölkt. Morgensonne braucht zumindest etwas hartes, gerichtetes Licht.
  • Den Lichtabfall kontrollieren. Eine kleine Fahne hinten verhindert, dass der Tisch heller wird als das Hauptmotiv.
  • Spiegel sind günstige Aufheller. Ein flacher Spiegel hält die Aufhellung weich, ein Kosmetikspiegel macht sie härter.
  • Auf Reflexionen achten. Glas und Konfitüre spiegeln die Lichtquelle – ihre Form wird Teil des Bildes.
  • Die Form erzählt die Geschichte. Ein Fenstermuster sagt „Morgen“ deutlicher als jede Farbtemperatur.

Von Karl Taylor lernen

Karl Taylor ist Berufsfotograf mit über 25 Jahren Erfahrung für internationale Marken sowie Mitgründer und CEO von Visual Education. Die Plattform bietet mehr als 1.000 Kurse zu Lichtführung, Produkt-, Porträt- und Modefotografie sowie Postproduktion, dazu Live-Shootings und Workshops – für eine Community von über 40.000 Lernenden.

Möchten Sie Karl dabei zusehen, wie er solche Szenen Schritt für Schritt aufbaut? Entdecken Sie die Kurse zur Foodfotografie auf Visual Education und sehen Sie, wie er spezielle Studiobeleuchtung wie Spots, Fresnels und Projektionen einsetzt.

 
Credits
Fotografie: Karl Taylor für Visual Education