• Ist Blitzlicht sicher für Sammlungsobjekte? Was die Konservierungswissenschaft sagt

Schadet Blitzlicht Kulturgut?

Was die Konservierungswissenschaft über Studioblitzlicht in der Kulturgutfotografie sagt

Warum die Frage wichtig ist

Jedes Digitalisierungsprojekt in einem Museum, Archiv oder einer Bibliothek beginnt mit derselben Sorge: Schadet das Licht, mit dem ein Objekt fotografiert wird, dem Objekt? Gemälde, Handschriften, Textilien und historische Fotografien sind lichtempfindlich, und Restauratorinnen und Restauratoren teilen sorgfältig ein, wie viel Licht jedes Objekt erhält. Die gute Nachricht: Jahrzehnte konservierungswissenschaftlicher Forschung zeigen klar in eine Richtung – richtig gefiltertes Studioblitzlicht ist eine der schonendsten Arten, ein wertvolles Objekt zu beleuchten.

Lichtschäden sind eine Frage der Gesamtdosis

Licht bleicht Farbmittel allmählich und kumulativ aus. Entscheidend ist die Gesamtdosis – Beleuchtungsstärke mal Zeit, gemessen in Luxstunden. In der Konservierung spricht man vom Reziprozitätsprinzip. Wie das Conservation Center for Art and Historic Artifacts erklärt, hat eine Stunde bei 100'000 Lux dieselbe Wirkung wie 2000 Stunden bei 50 Lux.

Lange befürchtete man, dass der extrem intensive, sehr kurze Lichtimpuls eines Blitzes eine andere, schädlichere Chemie auslösen könnte. 1995 hat David Saunders von der National Gallery in London dies überprüft. In seiner Studie Photographic Flash: Threat or Nuisance? setzte er traditionelle organische Pigmente und Blauwollstandards sowohl Galeriebeleuchtung als auch wiederholten Blitzen aus, bis jede Probe dieselbe Gesamtbelichtung erhalten hatte. Das Ausbleichen war in allen Fällen gleich. Moderne Blitzgeräte sind schlicht nicht stark genug, um die befürchteten «Zwei-Photonen-Prozesse» auszulösen – die National Gallery empfiehlt für fotografische Aufnahmen seither Blitzlicht statt Dauerlicht.

Ein Blitz liefert bemerkenswert wenig Licht

Da ein Blitz das Objekt nur für den Sekundenbruchteil beleuchtet, den die Kamera braucht, ist sein Beitrag winzig. In On the Illumination of Light-Sensitive Photographs (American Institute for Conservation, 2009) berechnet Mike Ware, dass eine korrekt belichtete Blitzaufnahme bei Blende 11 und ISO 100 ein Objekt mit rund 0,1 Luxstunden belastet. Das entspricht etwa zehn Sekunden Ausstellung unter strenger Museumsbeleuchtung von 50 Lux. Dieselbe Aufnahme mit Studio-Dauerlicht bringt ein Vielfaches an Licht auf das Objekt, weil die Leuchten eingeschaltet bleiben, während die Fotografin oder der Fotograf den Bildausschnitt einrichtet, scharfstellt und auslöst.

Zum Vergleich: Das jährliche Lichtbudget für besonders empfindliche Objekte wie Aquarelle oder Textilien liegt typischerweise bei 150'000 Luxstunden pro Jahr. Selbst eine Session mit hundert Blitzaufnahmen verbraucht davon nur rund ein Hundertstel Prozent.

Stefan Michalski vom Canadian Conservation Institute hat dies so eingeordnet: Eine mit 50 Lux beleuchtete Galerie bräuchte rund 3600 Amateurblitze pro Tag, nur um das Ausbleichen um 10 Prozent zu erhöhen (Quelle).

Wares Analyse zeigt ausserdem etwas für Profis Nützliches: Die Dosis, die das Objekt erreicht, hängt von Blende, ISO und Abbildungsmassstab ab – nicht von der Grösse des Blitzgenerators. Ein leistungsstärkerer Generator belastet das Objekt bei korrekter Belichtung nicht mit mehr Licht.

Keine Wärme auf dem Objekt

Ein Blitzimpuls dauert nur Millisekunden, das Objekt erwärmt sich also nicht. Wolfram- und Halogenleuchten hingegen erwärmen Objekte während der gesamten Session durch Strahlung und Konvektion, was Malschichten, Pergament oder Klebstoffe belasten kann.

UV: der Faktor, der von Ihrer Ausrüstung abhängt

Es gibt eine wichtige Bedingung. Eine unbeschichtete Xenon-Blitzröhre ist reich an UV-Strahlung – laut Ware rund 300 Mikrowatt pro Lumen. Museumsrichtlinien legen ein Maximum von 75 µW/lm fest und streben heute nahezu null an (Texas Historical Commission). Da UV der energiereichste Teil des Spektrums ist, muss es direkt an der Quelle entfernt werden. Bereits 1994 hat Johan Neevel vom Central Research Laboratory in Amsterdam zwölf Blitzgeräte vermessen und UV-Filter empfohlen, die mindestens 90 Prozent der Strahlung zwischen 300 und 400 nm absorbieren (Abstract).

Warum nur originale broncolor Blitzröhren und Schutzgläser

In broncolor Lampen wird UV durch eine spezielle Beschichtung gefiltert. Je nach Lampenkopf befindet sich diese Beschichtung entweder auf der Blitzröhre oder auf dem Schutzglas – die beiden sind als aufeinander abgestimmtes Paar konzipiert. Die broncolor Bedienungsanleitung ist eindeutig: Als Schutz müssen UV-beschichtete Schutzgläser oder UV-beschichtete Blitzröhren verwendet werden.

Deshalb empfehlen wir für Arbeiten im Bereich Kulturgut ausdrücklich, nur originale broncolor Blitzröhren und originale broncolor Schutzgläser zu verwenden:

  • Einer nicht originalen Röhre oder einem nicht originalen Glas kann die UV-Beschichtung fehlen. Kombiniert man eine unbeschichtete Röhre mit einem unbeschichteten Glas, gibt die Lampe ungefiltertes Xenon-UV ab – rund das Vierfache des Museumsgrenzwerts.
  • Die Leistung von UV-Filtern wird selten veröffentlicht und, wie Ware festhält, oft im Vertrauen hingenommen. Originalteile sind genau für die Lampe konzipiert, in der sie eingesetzt werden.
  • Nicht originale Teile können zudem die Farbtemperatur verschieben und eine farbverbindliche Dokumentation beeinträchtigen.
  • Fotografieren Sie Sammlungsobjekte nie ohne Schutzglas, und ersetzen Sie ein gesprungenes oder zerkratztes Glas zuerst durch ein Originalteil.

Best Practice für Digitalisierungssessions

  • Verwenden Sie nur originale, UV-beschichtete broncolor Blitzröhren und Schutzgläser.
  • Dimmen Sie das Einstelllicht zwischen den Aufnahmen oder schalten Sie es aus, und richten Sie das Set nach Möglichkeit mit einem Ersatzobjekt ein. Wie Ware betont, kann die Einrichtungszeit ein Objekt stärker belasten als die eigentliche Aufnahme.
  • Vermeiden Sie unnötige Testaufnahmen.
  • Stimmen Sie die fotografische Lichtdosis mit der Restaurierung ab und rechnen Sie sie dem jährlichen Lichtbudget des Objekts an.
  • Behandeln Sie UV-Fluoreszenzaufnahmen – zum Beispiel mit dem broncolor UV-Vorsatz – als bewusste UV-Belichtung und halten Sie sie so kurz wie möglich.

Fazit

Mit der richtigen Ausrüstung ist Blitzlicht keine Gefahr für Kulturgut – es ist die schonendere Wahl. Es liefert weniger Gesamtlicht als Dauerlicht, bringt keine Wärme auf das Objekt, und die Beschichtung originaler broncolor Blitzröhren und Schutzgläser entfernt das UV direkt an der Quelle. Entdecken Sie unsere Lichtlösungen für die Kulturgutfotografie.

Weiterführende Literatur