How to: Schwerelose Spirituosen einfangen

von Petri Anttila

Whiskyfotografie wird häufig mit dunklen, stimmungsvollen Bibliotheken und Ledersesseln assoziiert. Für dieses Projekt wollten wir jedoch bewusst mit dieser Tradition brechen und eine energiegeladene, „explosive“ Komposition schaffen. Ziel war es, die Nc’nean-Flasche – mit ihrem einzigartigen, botanisch gravierten Glas – scheinbar schwebend in der Luft zu zeigen, begleitet von dynamischen Flüssigkeitsspritzern.

Dafür brauchte es nicht nur ein komplexes Lichtsetup und einen Assistenten, sondern auch eine Beleuchtung, die Bewegung mit absoluter Präzision einfrieren kann und gleichzeitig die Transparenz der Flüssigkeit sichtbar macht, ohne die Struktur des Glases zu verlieren.

Die Entwicklung des Setups

1. Hintergrund und Transparenz definieren

Um einen modernen, lebendigen Look zu erzielen, begannen wir mit einem sauberen weißen Diffusionsfilter im Hintergrund. Dahinter positionierten wir eine Pulso G mit P65 Normal-Reflektor und blauer Farbfolie. Gerade bei Whisky ist dieses Gegenlicht entscheidend, da es die Flüssigkeit von innen heraus zum Leuchten bringt und die goldenen Farbtöne des Destillats betont. Um diesen Effekt zu verstärken, platzierten wir eine weiße Kartonfläche hinter der Whiskyflasche und verfeinerten den Effekt später in Photoshop. Zusätzlich stellten wir eine kleine weiße Karte neben die Flasche, um die Schatten leicht aufzuhellen. Links von der Kamera, hinter der Flasche, setzten wir eine Softbox 30 x 120 mit Strip Mask ein, um klare Kantenlichter an Flasche und Gläsern zu erzeugen.

2. Struktur hervorheben mit Picolites

Die Nc’nean-Flaschen sind mit wunderschönen, detaillierten Illustrationen versehen. Damit diese Details richtig zur Geltung kommen, setzten wir zwei Picolites ein – eines mit Fresnel-Aufsatz und eines mit Picobox. Dank der Rückwärtskompatibilität konnten wir außerdem eine Mobilite-Leuchte mit einem Picolite-Snoot und Wabenraster verwenden, die oberhalb des Glases auf der rechten Kameraseite positioniert wurde. Die Fresnel-Leuchte wurde oberhalb der Flasche platziert und leicht zum Hintergrund hin „gefeathert“. Dadurch entstand eine Reflexion über die weiße Fläche hinter der Flasche, die insbesondere den Flaschenhals hervorhob. Die Picobox wurde rechts der Kamera positioniert und leicht über die Flasche hinweg ausgerichtet, um die Struktur und die Illustrationen im Glas sichtbar zu machen und gleichzeitig sanfte Farbverläufe zu erhalten.

3. Das Geheimnis der „schwebenden“ Flasche

Wir verwendeten eine Acryloberfläche, die es uns ermöglichte, unter der Flasche hindurch zu fotografieren. Vor dem Objektiv wurde ein Polarisationsfilter angebracht, um unerwünschte Reflexionen zu entfernen. Zusätzlich platzierten wir eine Polarisationsfolie vor der Picobox, um Reflexionen auf Glas und Acryl noch weiter zu reduzieren.

4. Den Moment einfrieren

Wenn Elemente durch das Bild „fallen“, wird die Blitzdauer zum entscheidenden Faktor. Um die Flüssigkeitsspritzer und schwebenden Elemente gestochen scharf einzufrieren, arbeiteten wir mit den Generatoren Scoro 3200 S und Scoro 1600 E.

Profi-Tipp: Reflexionen mit Doppelpolarisation eliminieren

Bei so vielen Glasflächen und spritzenden Flüssigkeiten wird die Kontrolle über spiegelnde Highlights schnell zur Herausforderung. Schwarze Flags eignen sich zwar hervorragend, um Licht zu begrenzen, können aber den milchigen Schleier nicht entfernen, der die warme Bernsteinfarbe des Nc’nean-Whiskys überlagert.

Unsere Lösung war eine Doppelpolarisation (Cross-Polarisation). Dabei platzierten wir eine lineare Polarisationsfolie vor der Picobox und einen Polarisationsfilter auf dem Kameraobjektiv. Durch das Drehen des Filters am Objektiv, bis er senkrecht zur Polarisation des Lichts stand, konnten wir die störenden Reflexionen auf der Flaschenoberfläche und dem Acryl gezielt reduzieren.

Diese Technik entfernt nicht nur Glanzlichter – sie erhöht auch die Farbsättigung und ermöglicht einen klaren Blick durch das Glas in die Flüssigkeit. Dank der Leistung der Scoro-Generatoren mit 3200 J und 1600 J konnten wir trotz eines Polarisationsfilters (der etwa zwei Blendenstufen Licht schluckt) mit f/11 und ISO 200 arbeiten.

Maximale Schärfe: Die Stärke des Focus Stackings

Bei einer komplexen, dreidimensionalen „Explosion“ von Elementen – von der strukturierten Nc’nean-Flasche im Zentrum bis zu den Flüssigkeitsspritzern im Raum – stößt die Schärfentiefe schnell an physikalische Grenzen. Selbst bei f/11 oder f/16 ist es unmöglich, alle schwebenden Elemente gleichzeitig perfekt scharf abzubilden. Deshalb nutzten wir Focus Stacking. 

Dabei werden mehrere Aufnahmen gemacht, bei denen der Fokuspunkt schrittweise vom vordersten zum hintersten Element verschoben wird, während Kamera und Lichtposition vollkommen unverändert bleiben. Nachdem wir mehrere stackfähige Bilder aufgenommen hatten, fotografierten wir die Spritzer separat und nutzten dabei die schnelle Wiederaufladezeit der Scoro-Generatoren. Diese Einzelbilder wurden anschließend in Photoshop zu einem einzigen, extrem scharfen Gesamtbild kombiniert.

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